Dunkle Romantik
Otto Modersohn (Werke 1890–92) & Arnulf Rainer
9. November 2019 – 29. März 2020

Die Ausstellung präsentiert ein kurzes, aber entscheidendes Kapitel in Otto Modersohns Entwicklung. Schon als junger Student hatte er das Ziel, das Landschaftsbild mit einer subjektiven Stimmung zu „beseelen“. Im Sommer 1889 traf er zum ersten Mal in Worpswede ein und war begeistert von den „stürmischen Tagen“, den „jagenden Wolken“, dem „dunklen Moor, Hütten, Wasser, Bäumen, wunderbar!“ Sein Ziel war, durch die Landschaft „Ideen“ auszudrücken: das „Lyrische“, das „Feierliche“, das „Geheimnisvolle“, das „Phantastische“.

In der Ausstellung „Dunkle Romantik“ werden Otto Modersohns Landschaften von 1890–92 als eigene Werkgruppe gezeigt. Es sind wohl die stürmischsten, geheimnisvollsten und hintergründigsten Stimmungsbilder, die er je gemalt hat. Schwärzliche Baumsilhouetten und dunkle Schatten verhindern ein genaues Erkennen, drohende Wolken ziehen über den Betrachter hinweg, in Nebel und Dunst zeigt sich die Landschaft nur schemenhaft.
Die raue Natur in Worpswede, das schwere Leben der Einheimischen, die dunklen Rietdächer, die geisterhaft tanzenden Birkenstämme, aber auch die Ruinen und Hügel von Tecklenburg gaben dem jungen Maler zahlreiche Anregungen für seine eher düsteren Fantasiebilder.

Zusätzlich zu Modersohns malerischen Eruptionen werden drei Gemälde des österreichischen Malers Arnulf Rainer (geb. 1929 bei Wien) in die Ausstellung eingefügt. Seit den 1960er Jahren gehört Rainer zu den ganz großen europäischen Malern. Bekannt wurde er vor allem durch seine „Übermalungen“ und „Zumalungen“. In Rainers Bildern wird die Malweise selbst zum Thema. Immer wiederholte Malgesten steigern die expressiven Spuren und überdecken sie zugleich – bis zu ihrer gegenseitigen Auslöschung. Man folgt den heftigen Farbverläufen bis in das höhlenartige Dunkel ihrer „zugemalten“ Farbmasse. Scheinbar schließt sich alles zu einer ruhigen Fläche zusammen – und bleibt doch erfüllt von untergründiger Dramatik.

Im Dialog mit den Gemälden von Arnulf Rainer tritt auch die malerische Dramatik von Modersohns „Phantasie“-Bildern besonders hervor. Umgekehrt wird man im Vergleich mit Modersohns Landschaften bei Rainer eine romantische Sehnsucht erkennen, die für ihre inneren Bewegungen keine Grenzen findet.