Signatur

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Otto Modersohn (*1865 Soest, † 1943 Rotenburg) war einer der bedeutendsten deutschen Landschaftsmaler um die Wende zum 20. Jahrhundert. Früh schon hatte sich der junge Kunststudent vom „seelenlosen“ Akademismus seiner Professoren losgesagt und eigene Ausdrucksformen gesucht. Ihm schwebte ein Ideal der Einfachheit und Innerlichkeit vor, wie er es bei den Malern der Schule von Barbizon kennengelernt hatte. Die Grundlagen seiner Kunstauffassung fand und formulierte er in der Auseinandersetzung mit den meist unspektakulären Sujets seiner westfälischen Heimat, gerade auch während seiner Aufenthalte bei seinem Bruder in Tecklenburg und auf seinen Streifzügen durchs Tecklenburger Land; hier fand er seine Bestimmung in der Landschaftsmalerei.

Dabei waren sein Thema die seine Empfindsamkeit ansprechenden, ihn stimmungsmäßig begeisternden Motive, die er meist abseits der großen Themen fand. Er entdeckte für sich das Spektakuläre im Unspektakulären; er suchte das Große im Kleinen; er fand das Zauberhafte im Unscheinbaren. Joseph von Eichendorff hatte sich als Lyriker auf die Suche nach dem Zauberwort gemacht: „Schläft ein Lied in allen Dingen, / Die da träumen fort und fort, / Und die Welt hebt an zu singen, / Triffst du nur das Zauberwort“ (Wünschelrute, 1835); Otto Modersohn war als Maler mit eben jener „Wünschelrute“ begabt, die ihn Zauberorte finden ließ, deren Bilder jedem Betrachter die Seele weit werden lassen: einfache Orte wie einen sandigen Weg vor Münster unter endlos weitem Himmel oder wie das Bergstädtchen Tecklenburg im Frühling – „Psychotope“, seelische Vergewisserungsorte, vor denen sich jeder Westfale sofort wie „zu Hause“ fühlt.

Seine Abkehr von der Konvention und sein Aufbruch zu individuell Eigenem werden ganz unmittelbar sinnfällig, wenn man Otto Modersohns Signatur betrachtet, mit der er in späten Jahren ein Werk autorisierte. Die Initialen OM erscheinen da denkbar unkonventionell, ganz wunderbar eigensinnig: Das O beginnt nicht, wie wir es gelernt haben, oben und kehrt in einer großen elliptischen Bewegung gegen den Uhrzeigersinn wieder zum Ausgangspunkt zurück; im Gegenteil: Indem es, unten beginnend, erst einen kräftigen Aufschwung nimmt, schließt es nach kraftvoller Bewegung, am Ende wieder unten ausklingend, die Form und beschreibt damit symbolisch eher einen Lebenskreis. Und dann das M, das sich gar nicht sofort als solches erschließt: drei Striche nur, in radikaler Vereinfachung unverbunden nebeneinander gesetzt! Diese Initialen sind nicht nur mutig individuell, sie sind auf den ersten Blick auch so verrätselt abstrakt, dass sie selbst unserem – von 0 und I bestimmten – digitalen Zeitalter entschieden modern vorkommen. Und so zieren sie heute als mutiges, ausdrucksstarkes Zeichen auch das Signet seines Museums in Tecklenburg, stiften Identität und – wie wir meinen – auch Identifikation.


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Otto Modersohn Signatur – Postkarte (zweiseitig)