Biografie

Bereits früh revoltierte der Kunststudent gegen die Lehren seiner Professoren an der Düsseldorfer Akademie und entwickelte sich zu einem unabhängigen Einzelgänger, der seine künstlerischen Ziele mit den Begriffen Einfachheit, Innerlichkeit und Intimität definierte und seine kreative Kraft aus der geistigen Versenkung in die Natur schöpfte. Um es mit Rilke zu sagen: „Wir fühlen das Wesen eines Mannes, der mit allen Fasern sich mit der Natur verwachsen fühlt; der nicht leben könnte ohne die unaufhörliche innige Berührung mit den Revieren der Bäume, der Wiesen, der stillen Wasserflächen; in dem alle Träume und alle Sehnsucht sofort die Gestalt einer Landschaft annehmen.“
Otto Modersohn entdeckte in Soest und Münster, in seiner westfälischen Heimat, und vor allem in Tecklenburg seine Berufung zur Landschaftsmalerei, die sein Lebenswerk bestimmen sollte. Die Tecklenburger Bilder bilden die Klammer zwischen dem westfälischen Frühwerk und dem Aufbruch zu neuen Zielen in seiner Kunst, die nicht zuletzt in Tecklenburg formuliert wurden.

 

Otto-Modersohn-EhefrauenBild links: Helene und Otto Modersohn, mitte: Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker, rechts: Otto Modersohn und Louise Modersohn-Breling

 

1865 | geboren in Soest/Westfalen


1874 | Umzug der Familie nach Münster


1884 | Studium an der Kunstakademie Düsseldorf


1885 | Erste Reise nach Tecklenburg im Frühjahr


1886 | Zweite Reise nach Tecklenburg im Mai-Juni


1887 | Abkehr vom Akademismus


1888 | Im Frühjahr dritte Reise nach Tecklenburg. Besuch der intern. III. Glaspalastausstellung, entscheidende Anregungen durch die Franzosen, Daubigny, Millet und Corot, Studium an der Kunstakademie Karlsruhe


1889 | Im Juli erste Reise mit Fritz Mackensen nach Worpswede, Hans am Ende folgt aus München nach. Modersohn spricht das entscheidende Wort zur Gründung


1891 | Im Frühjahr und Herbst wieder in Tecklenburg


1892 | Im Winter und im Frühjahr in Tecklenburg


1893 | Fritz Overbeck kommt nach Worpswede


1894 | Heinrich Vogeler, ein Freund Fritz Overbecks schließt sich den Worpswedern an


1895 | Im Frühjahr erste Ausstellung der Worpsweder in der Kunsthalle Bremen: Im Herbst großer Erfolg im Münchener Glaspalast in der Jahresausstellung von Kunstwerken aller Nationen


1896 | Entdeckung Fischerhudes mit Fritz Overbeck, erste Begegnung mit Heinrich Breling (1849-1914)


1897 | Ehe mit Helene Schröder


1898 | Tochter Elsbeth wird geboren (gest. 1984), Paula Becker kommt nach Worpswede


1899 | Austritt aus der Künstlervereinigung Worpswede – Freundschaft mit Heinrich Vogeler


1900 | Paula Becker und Clara Westhoff in Paris, Weltausstellung – Modersohn und Overbecks folgen nach -Tod seiner Frau Helene in Worpswede, Freundschaften mit Carl Hauptmann und Rainer Maria Rilke, die große Zeit auf Heinrich Vogelers Barkenhoff


1901 | Ehe mit der Malerin Paula Becker


1906 | Letzte Parisreise Paula Modersohn-Beckers, nach vorübergehender Trennung kommt Modersohn für einige Monate nach Paris


1907 | Gemeinsame Rückkehr nach Worpswede, Geburt der Tochter Mathilde (gest. 1998), Tod Paula Modersohn-Beckers


1908 | Übersiedlung nach Fischerhude


1909 | Ehe mit Louise Breling, Söhne: Ulrich, 1913-1943 und Christian, 1916-2009


1910 | Im Juni mit dem Vater zu Besuch in Tecklenburg


1911 | setzt sich Otto Modersohn gegen Carl Vinnens Streitschrift „Ein Protest deutscher Künstler“ für den Ankauf des „Mohnfeldes“ von van Gogh durch die Kunsthalle Bremen als eines der anregendsten Bilder moderner Kunst ein


1917 | Besuch Tecklenburgs im Herbst


1919 | Wieder im Frühling in Tecklenburg


1922 | Ausgedehnte Studienreisen in den folgenden Jahren nach Wertheim/Würzburg, Freundschaft mit Ahlers-Hestermann


1925 | Erster sommerlicher Studienaufenthalt im Allgäu, ebenso 1926, 1927, 1929


1927 | Erneut in Tecklenburg – wenige kleinformatige Studien


1930 | Erwerb eines Bauernhauses auf dem Gailenberg bei Hindelang im Allgäu, wo er bis 1935 in den Frühjahrs- und Sommermonaten malt, bis ihn eine Netzhautablösung des rechten Auges zur Einstellung der Malaufenthalte im Allgäu zwingt


1931 | Malaufenthalt in Tecklenburg


1935 | Ehrenmitgliedschaft des Künstlerbundes Bremen


1939 | Verleihung des Niederdeutschen Malerpreises


1940 | Verleihung der Goethe-Medaille


1942 | Verleihung des Professorentitels h.c.


1943 | gestorben am 10. März nach kurzer Krankheit, sein Sohn Ulrich fällt in Rußland


1948 | Einrichtung einer Familiengalerie auf dem Gailenberg im Allgäu durch Christian und Anna Modersohn


1974 | Eröffnung des Otto Modersohn Museums Fischerhufe – OMMF


1981 | Atelier und Werkstattbau


1986 | erster Erweiterungsbau des OMMF


1996 | zweiter Erweiterungsbau des OMMF


2012 | dritter Erweiterungsbau des OMMF


2015 | Eröffnung des Otto Modersohn Museums Tecklenburg – OMMT